Konzept zur Einführung von Kommissionierautomaten
Für große und mittlere Apotheken stellt sich inzwischen nicht mehr die Frage, ob ein Kommissionierautomat installiert wird oder nicht. Viel mehr ist die Frage, welcher Anbieter genommen wird.
Aber auch kleinere Apotheken interessieren sich vermehrt für Automaten, da Personal ein entscheidender Kostenfaktor in Apotheken ist.
Die Qual der Wahl
Inzwischen gibt es sieben Kommissionierautomaten-Anbieter.
Anders, als bei einer
Warenwirtschaft, bei der der Ablauf in der Apotheke ziemlich
vorgegeben ist (Abverkauf, Bestellung, Wareneingang) unterscheiden
sich die Anbieter erheblich in Ihrer Arbeitsweise, sowohl beim Ein-
wie Auslagern.
Bei der Auswahl kann Sie auch ein neutraler Berater, wie z.B. Herr Dipl.Ing. Senkler unterstützen und/oder Sie sehen sich vor Ort Referenzapotheken von verschiedenen Anbietern an, bei denen der Automat schon längere Zeit installiert wurde. Da es sich um immerhin ca. 120.000 Euro (nach oben keine Grenzen) handelt, sollten Sie sich die Entscheidung sehr genau überlegen und z.B. nicht nur auf den Automaten, sondern auch auf die Transportwege zur Kasse, achten.
Typischen Fragen
1. Wie schnell lagert der Automat aus/ ein?
2. Was passiert bei Stromausfall?
3. Wie finde ich eine Packung bei chaotischer Einlagerung wieder?
4. Wie ist das Zusammenspiel zwischen Warenwirtschaft und Automat?
5. Wie ist das mit der Gewährleistung und Wartung?
6. Wie lange dauert der Einbau?
zu 1.
Meine Gegenfrage wäre dann, warum soll er SCHNELL auslagern? Sie möchten doch vor allem beim Kunden stehen bleiben und ein Ansprechpartner für ihn sein. Da ist es m.E. egal, ob Sie 15 oder 18 sec. auf die erste Packung aus dem Automat warten, oder?
Beim Einlagern gibt es zwei Möglichkeiten.
Entweder lagert die Apotheke vollautomatisch ein oder mit einem
Halbautomaten. In etwa kann man diese Vorgehensweise mit einer
Anschaffung von POR oder POS vergleichen. Bei einem Vollautomat
wird die angelieferte Ware des Großhandels, der Automatenware in
einer Extralieferung anliefert, in das Rondell des Automaten
geschüttet und dort vollautomatisch eingelagert (angenommen,
vermessen, weggeräumt).
Ware, die nicht mit der Bestellung übereinstimmt, wird in eine
Extrakiste ausgegeben. Nur diese Artikel werden also noch vom
Personal bearbeitet.
Die Übergabe der Daten an die Warenwirtschaft erfolgt und somit
ist der Wareneingang verbucht.
Die zweite Möglichkeit, ein Halbautomat bedeutet, Ihr Personal legt
jeden Artikel auf ein Band oder in einen Schrank und dieser wird
dann vom Automaten „abgeholt“ und eingelagert.
Die Entscheidung, ob Sie sich einen Voll- oder Halbautomaten
anschaffen hängt meist von der Entscheidung des Handlings mit
den Verfalldaten ab. Möchten Sie packungsgenaue Überwachung der
Verfalldaten, kommt derzeit ein Vollautomat für Sie nicht unbedingt
in Frage, da das Verfalldatum noch nicht automatisch ausgelesen
werden kann. Selbstverständlich kann die Automatensoftware z.B. ein
fiktives Datum eintragen, so dass Sie trotzdem eine gewisse
Übersicht über Verfalldaten behalten.
Damit stellt sich also nicht mehr die Frage, WIE lange das
Einlagern dauert. I.d.R. wird das Konzept so aussehen, dass eine
Kraft VOR Apothekenbeginn die Wannen in den Automat gibt und dieser
automatisch diese wegräumt. Das Apothekenpersonal, welches dann
morgens kommt, prüft die „ausgelagerten Artikel des Wareneingangs,
also die ‚Artikel, die nicht mit der Bestellung übereinstimmte“ und
verbucht noch den Auftrag. Tagsüber erhält diese Apotheke dann nur
noch Kundenbestellungen geliefert.
Der Vorteil dieses Konzeptes ist, dass es nicht mehr diese ständige
Unruhe gibt, weil Ware weggeräumt werden muss. Das Personal ist
frei für andere Arbeiten.
Zu 2. und 3.
Die beliebteste Frage ist die nach einem Arbeiten während eines Stromausfalles.
Meine Gegenfrage: Wie oft hatten Sie in den letzten 10 Jahren
einen Stromausfall? Was machten Sie in dieser Zeit mit Ihrer
automatischen Eingangstüre, mit Ihrem Licht, mit Ihrer
Warenwirtschaft und – vor allem – wie wollen Sie ohne Strom einem
Kunden noch sagen, was er für ein Medikament erhält und was es
kostet? Ohne Warenwirtschaft ist eine Abgabe bzw. Berechnung gar
nicht mehr möglich.
Trotzdem haben natürlich Automatenanbieter eine Möglichkeit
geschaffen, wie Sie weiterarbeiten können.
Die häufigste Sicherheit ist, dass eine Datensicherung ständig
mitläuft. Sie können also den Datensicherunsstick jederzeit in ein
Notebook stecken, welches mit Batterie läuft, und sehen genau, wo
welche Packung liegt.
Zu 4.
Inzwischen gibt es eine Standardschnittstelle zu allen
relevanten Warenwirtschafts-anbietern. Die Schnittstelle müssen Sie
bei Ihrem Warenwirtschaftsanbieter bezahlen. Sie liegt in etwa bei
2.500 Euro.
Zu 5.
Wartungsverträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen sollten Sie sich genau ansehen. Hier gibt es noch die größten Unterschiede. Nehmen Sie sich Zeit und lesen Sie sich diese genau durch. Verstehen Sie etwas nicht, nachhaken und sich dies schriftlich bestätigen lassen.
Inakzeptabel wäre z.B. dass nur Werktags Hotline zur Verfügung
steht oder das keine Vollgarantie während der Wartungsvertragszeit
geleistet wird. Ich habe schon Verträge gesehen, in denen nur bis
1.500 Euro Gewährleistung stand. Alles andere hätte die Apotheke
bezahlen müssen.
Zu 6.
Die Einbauzeit beträgt i.d.R. eine Woche. Bedenken Sie, dass i.d.R. der Platz der bisherigen Ziehschränke dafür verwendet wird. Wohin also mit der Ware bis der Automat bestückt werden kann? Wie finden Sie die Artikel schnell für Ihre Kunden während der Umbauphase?
Wichtig ist auch zu wissen, dass Sie z.B. für 10.000 Packungen ca. 4 Tage für die Ersteinlagerung benötigen: 4 x Tag und Nacht! Gehen Sie davon aus, dass ungefähr 200 Packungen pro Stunde eingelagert werden können, incl. der Eingabe der Verfalldaten. Bei einer Ersteinlagerung kommt dazu, dass Sie sich die Ware, die aus den Ziehschränken oder anderen Lagerorten kommen, genauer ansehen und evtl. verknüpfte Eintragungen z.B. keine Kommissionierware – Lagerkennzeichensetzung etc. vornehmen. Dies bedeutet wesentlich mehr Zeit, als nur später dann bei der täglichen Einlagerung.
Auch sind „schleichende“ Einlagerung nur dann möglich, wenn Sie den Automaten nicht an den Platz der Ziehschränke stellen, sondern in den Keller oder den 1. Stock. Beachten Sie aber in diesem Fall, dass die Wareneingangsware ständig ZUM Automaten gebracht werden muß! Planen Sie also den Standort vorher genau und verlassen sich da nicht auf die „verkäuferische“ Aussagen, dass nach dem Kauf alles so einfach wäre bzw. einfach umzustellen sei.
Der Nutzen eines Kommissionierautomaten
1. Das Platzproblem
2. Kunden gehen mir Ihrem Rezept bei Wartezeiten gleich in die
nächste Apotheke
3. Bestandsdifferenzen vermeiden
4. Zusatzverkauf nutzen, Kunden binden
5. Knappes Personal richtig einsetzen
Kauft ein Apotheker einen Automat, so ist häufig das Platzproblem
der Grund hierfür. Man möchte umbauen, um mehr Platz für den Kunden
zu haben. Leider erlebe ich immer wieder, dass die vielen anderen
wichtigen Änderungen, die ein Automat mit sich bringt, nicht oder
nicht genug genutzt werden.
Der wichtigste Grund, neben dem Platzbedarf, einen Automaten
anzuschaffen:
I.d.R. sind im HV ein- bis zwei Kassen besetzt. Das bedeutet für
den Kunden, er kommt in die Apotheke und wird sich an die Kasse
stellen, an der ein Bediener steht. Er übergibt das Rezeptblatt
oder äußert seinen Wunsch. Der Bediener geht weg und holt die
Packung.
Kommt nun ein zweiter Kunde, so wird sich dieser an der zweiten
Kasse anstellen, in der Hoffnung, es kommt kurzfristig Jemand zu
ihm. Ist das so, dann kann es sein, dass der erste Bediener noch
nach den Packungen sucht und der zweite Bediener dann für den
zweiten Kunden auch „wegläuft“.
Ergebnis: würde ein dritter Kunde die Apotheke betreten, so
sieht er zwei Kunden vor sich, jedoch Keinen der bedient
!
Hat nun der Kunde die Möglichkeit, in der Nähe dieser Apotheke in
eine andere zu gehen, so wird der dritte Kunde wahrscheinlich
gleich weitergehen, ohne warten zu wollen.
Dies halte ich für den entscheidenden Grund, einen Automaten
anzuschaffen: Beim Kunden stehen zu bleiben und so eine wesentlich
kundenfreundlichere Atmosphäre zu schaffen.
Die Argumente Zusatzverkauf oder umfangreiche Beratung halte ich
nicht für die entscheidende Frage. Sehr wichtig ist jedoch die
soziale Komponente, das Gespräch an sich. Häufig ist die Apotheke
der einzige Ansprechpartner für ältere einsame Leute. Natürlich
wird gerade diese Zielgruppe vermehrt Apotheken MIT Automaten
aufsuchen, weil ein Gespräch möglich ist und nicht das
Apothekenpersonal permanent in den Bildschirm sieht und dann
wegläuft, um die Packung zu holen. Die Ruhe, das vertrauliche
Gespräch, dass ist es, was diesen Kundenstamm hält oder zum
Neukunden werden lässt.
3. Bestandsdifferenzen
Ein sehr großes Ärgernis in vielen Apotheken. Softwarefehler halte ich aufgrund meiner jahrelangen Erfahrungen nicht verantwortlich für Bestandsdifferenzen, jedoch die „künstlerische Freiheiten“, die manche Anbieter zulassen. Die Grundeinweisung ist meist schon lange her und das gut geschulte Personal hat zwischenzeitlich gewechselt. Jeder neue Mitarbeiter kennt also nur das, was ihm das vorhergehende Personal mitteilt. Bringt man dann noch seine eigenen Erfahrungen mit einer EDV ggf. aus einer anderen Apotheke, ist ein „Fehlverhalten“ was bestandsrelevante Arbeiten angeht, vorprogrammiert.
Dadurch, dass die Automatisierung viele Arbeiten in einer Apotheke vereinfacht und somit das Eingreifen des Personals verhindert, kommt es bereits dadurch zur erheblichen Reduzierung von Bestandsdifferenzen. Auch der Wegfall von vermehrten Lagerorten oder Übervorratsorten entfällt, da möglichst Alles ja in den Automaten kommen soll, und somit entfällt auch diese Fehlerquelle und somit auch damit die mögliche Bestandsdifferenz.
Nicht geht ohne Konzept
Ist ein Automat angeschafft, ist nicht nur ein anderer Lagerort
vorhanden. Es muss ein Konzept eingeführt werden, damit nicht alles
beim alten bleibt.
Auch hier möchte ich aus meiner über 20-jährigen Erfahrung im
Apotheken-EDV-Bereich berichten:
Apotheken haben POS eingeführt, arbeiten aber immer noch so, als
wenn Sie den „Klebe-Lauer“ hätten. Warum ist das so?
I.d.R. verfügt der Inhaber nicht über die Kenntnis, WAS seine
Mitarbeiter im gesamten Warenwirtschaftskreislauf tun. Hätte er
diesen Überblick, so würde er sich hinterfragen, wo denn die Zeit
geblieben ist, die freigeworden ist, weil Arbeiten weggefallen
sind.
z.B. die Zeit für die ständige schubweise Kontrolle, ob Artikel zum
Verfall anstehen. Dies macht die EDV = Ausdruck einer
Verfalldatenliste. Mitarbeiter geht mit dieser Liste, holt
die Ware, druckt automatisch eine Retourenliste und gibt die Wanne
dem Großhandelsfahrer mit. Fertig.
oder die Bestellung. Eigentlich müsste sie automatisch
gehen! Artikel wird an der Kasse abverkauft und löst damit beim POS
eine Bestellung aus. Das Programm weiß, wann wo wie viel wieder
nachbestellt werden muss. Das Personal hingegeben prüft noch sehr
oft JEDE Bestellzeile. Das dauert und ist unnötig. Nicht der
Bestellvorschlag der EDV müsste überprüft werden, sondern die
Parameter der EDV müssen optimal eingestellt werden.
Genau so ist es leider mit der Anschaffung eines
Automaten.
Teilweise sehe ich, das immer noch sehr zeitintensiv und mit viel
Aufwand gearbeitet wird. Wenn Sie wirklich etwas Bewegen wollen,
wenn Sie wirklich etwas ändern wollen, dann ist der Einbau des
Automaten die beste Möglichkeit ALLE Arbeiten Ihres Personals genau
zu betrachten!
Automatisch geht z.B. die Auslagerung der Verfalldatenliste. Die
Liste wird in der Warenwirtschaft angeworfen (5 Min.) und an den
Automat übergeben (2 Min.). Der Automat lagert die Artikel in eine
Extrawanne aus (0 Min. Arbeitszeit für Ihr Personal). Der
Retourenbeleg wird in die Wanne gelegt (1 Min.) und dem Fahrer
übergeben.
Automatisch geht auch die Verarbeitung Ihrer Ladenhüter und der
Prüfung der Nester. Ladenhüterliste wird in der Warenwirtschaft
erstellt, an den Automaten weitergegeben. Automat lagert aus z.B.
Alles was sich 13 Monate nicht bewegt hat. Retourenschein dazu,
fertig.
Automatisch geht auch der Wareneingang, so dass wesentlich
weniger Fehler bzw. Bestandsdifferenzen in der Apotheke
vorkommen.
Nachdem wir leider nicht mehr die Helferin in der Apotheke haben,
die 20 Jahre ganztags für die Warenwirtschaft zuständig war, muss
dieser Bereich automatisiert und kritisch hinterfragt werden. Je
mehr Sie Ihre Mitarbeiter in diesem Bereich „per Hand“ eingreifen
lassen, desto höher – vor allem bei Teilzeitkräften – wird die
Fehlerquote sein. Bestandsdifferenzen sind vorprogrammiert – und
zum Abstellen wird wieder teure Arbeitszeit benötigt.
Mein Tipp: automatisieren Sie so weit wie möglich!
Nutzen Sie Ihre Warenwirtschaft im POS-Bereich aus UND mit einem
Kommissionier-Automaten aus! Halten Sie Kontakt zum Anbieter und
lassen Sie Ihre „EDV-Fachkraft“ umfangreich schulen. Dies gilt ganz
besonders im Zusammenhang mit einem Kommissionierautomaten.
Erstellen Sie mit Ihren Mitarbeitern zusammen ein Konzept, was sich
ändern wird und ändern Sie dies dann auch konsequent! Die
Standardarbeiten fallen weg, müssen wegfallen, weil wir sie uns in
der Apotheke nicht mehr leisten können. Das kann so etwas
Einfaches, wie das Schreiben von Standortkärtchen per Hand
sein, es kann aber auch eine ständige Inventur sein, die nun
automatisch geht und Ihnen viel Zeit spart.
Nutzen Sie dafür den Freiraum, die gewonnene Zeit, um Ihr Personal
richtig einzusetzen. Optimale Lagerhaltung, geschicktes Einkaufen
und das Personal vorne im HV beim Kunden sind die wichtigsten
Bausteine einer erfolgreichen Apotheke.
Konsequente Umsetzung der gesamten Warenwirtschaft mit einem
Kommissionier-automaten und dessen konzeptionelle Umstellung
bringen Ihnen den Erfolg. Machen Sie nicht den Fehler, wie bei der
Einführung von POS und lassen alles beim alten.
Ein JA zum Automaten ist ein JA zur Automatisierung und
Optimierung!

